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Sammlung Marx im Hamburger Bahnhof

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Saalansicht Marx Sammlung (3 x Andy Warhol)

 

1996 wurde das ehemalige Bahnhofs- und Museumsgebäude und jetzige zeitgenössische Museum in Berlin, der Hamburger Bahnhof, mit der Sammlung Marx eröffnet. Diese Sammlung besteht vor allem aus erstklassigen Werken Anselm Kiefer, Robert Rauschenberg, Cy Twombly, Roy Liechtenstein oder Andy Warhol, die allesamt ab den 1950er Jahren entstanden sind.

 

Das Kapital Raum 1970-1977, Josef Beuys
 Das Kapital Raum 1970-1977 von Josef Beuys

 

Hauptaugenmerk ist die Rauminstallation Das Kapital Raum 1970-1977 von Josef Beuys. Beuys entwarf und konzipierte diese für die 39. Biennale von Venedig 1980.

« Das ist jetzt mein Denkmal. Richtig, das Denkmal. wie man es kennt, starr, aufgebaut. Da stehen die einzelnen Zeichen, da ist was drauf geschreiben wie bei den Pyramiden, da sind Hieroglyphen, die müssen entziffert werden … » (Josef Beuys, 1980)

 

Robert Rauschenberg (2)
Robert Rauschenberg, Stage Coach, 1986

 

Der Kunstsammler, Unternehmer und Mäzen Erich Marx erwarb die Werke direkt von den Künstlern.  Irgendwann hatte er zuviel Kunst bei sich und bot einige Hauptwerke in den 1980 Jahren der Stadt Berlin als Dauerleihgabe an.

Zur Zeit ist die Sammlung in ihrer Komplettheit zu sehen. Filmdokumentationen ergänzen die Sammlung.

 

Diamond Dust Shoes, Andy Warhol, 1980Double Elvis, 1963, WarholMAO - Andy Warhol
Diamond Dust Shoes, Double Elivs, Mao – Andy Warhol
 

Christa Blenk

Fotos: JNPettit

 

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Wandteppich von Anger, Zyklus der Apokalypse

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Eingang ins Schloss

 

In der Ich-Form richtet sich der Verfasser der Apokalypse mit den sieben Sendschreiben an die sieben Gemeinden in Ephesus in Kleinasien. Die Offenbarung des Johannes ist das letzte Buch des Neuen Testamentes und gilt als prophetische Hoffnungsschrift für die unterdrückten Christen im Römischen Reich.

Sieben Schreiben, sieben Gemeinden, sieben Siegel, sieben Trompeten, sieben Reiter, sieben Plagen, sieben Engel und sieben Schlafende oder Tote. Visionär, spannend und theatral und mit dem Gedankengut des 14. Jahrhunderts vor dem Hintergrund des 100 jährigen Krieges, wird dieser umwerfende Zyklus erzählt. Er weiß von grausamen und moderne Geschichten zu berichten, dokumentiert die Anbetung des Teufels, die Umkehrung der Macht, die Verführung, die Vernichtung und die Zerstörung von Babylon bis zum Sieg des Guten und den Eintritt in das Paradies.

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Das  ausschließlich aus Wolle bestehende Teppich-Ensemble besteht aus 6 Teilen mit je 14 Bildern, wobei leider nicht mehr alle vorhanden sind. 84 Szenen auf einer Gesamtflache von 700 qm halten den Betrachter in Atem und erstaunen immer wieder durch die Modernität, aber auch künstlerisch erkennt man – noch im Mittelalter des 14. Jahrhunderts –  die ersten wackeligen Schritte der Renaissance Perspektive.

Jede Serie wird von einer Persönlichkeit eingeleitet und geht dann weiter in zwei übereinander liegenden Reihen, im Schachbrettmuster  angeordnet – je sieben himmlische und irdische Szenen.14 Szenen pro Teppich. Hintergrundfarbe ist abwechselnd rot und blau; jedes Bild hat auch eine Bildunterschrift.

 

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der siebenköpfige Drachen

Der Zyklus der Apokalypse misst 103 Meter und ist 4,5 Meter hoch. Er ist somit der größte Wandteppich der jemals in Europa hergestellt wurde. Er entstand zwischen 1373 und 1382 im Auftrag von Herzog Ludwig I. von Anjou, der Weber Nicolas Bataille kümmerte sich um Beides: Finanzierung und Fertigstellung in nur sieben Jahren! Die Entwürfe stammen vom Brügger Künstler Jean de Bruges und in der Pariser Werkstatt von Robert Poisson wurde der Teppich hergestellt.

Seit 1954 hat der Teppich einen extra für ihn gebauten Trakt im Schloss von Angers. Von dem ursprünglich 140 Meters sind heute noch 103 erhalten.

Wandteppichen kam im Mittelalter eine ganz wichtige Rolle zu. Sie bereicherten den Besitzer und begleiteten ihn oft auf seinen Reisen, sie verschönerten und wärmten und waren gern gesehene Gastgeschenke. Allerdings waren sie nie 140 Meter lang und höher als ein dreistöckiges Haus.

Aus welchem Anlass der Teppich von Anger gewebt wurde, weiß man nicht. Man rätselt, dass er vielleicht den Kreuzorden von Ludwig I, den dieser 1370 gegründet hatte, aufwerten sollte. 1782 wurde diese Preziose zum Verkauf angeboten und während der Französischen Revolution zerschnitten. Der Wandteppich wurde als Decke, Bettvorleger oder Schutz im Winter für die Orangenbäume zweckentfremdet. Erst 1843 ging der Bischof von Anger auf die Suche nach dem Verbleib und konnte relativ viel wieder zusammen holen. Aber einige Fragmente sind wohl für immer verloren, andere verblasst. Einige Serien sind aber glücklicherweise in ihren Komplettheit zu bestaunen, allerdings lässt sich nicht immer die richtige Reihenfolge oder auch die Bedeutung zuordnen. Der Audioguide ist gut gemacht und unbedingt erforderlich!

Hier kann man nur sagen: der Besuch lohnt einen Stopp in Angers, abgesehen davon ist die Stadt sehr interessant und schön.

Christa Blenk

Fotos: JNPettit

 

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Manifesto – 13 Mal Cate Blanchett

Manifesto – 13 Mal Cate Blanchett

Das Leben – ein Theater

Der Münchner Video-Künstler Julian Rosenfeldt (*1965) lässt Cate Blanchett dreizehn Mal in unterschiedlichen Rollen in einem Meer von Bildschirmen auftreten. Er verarbeitet hier die bedeutendsten Manifeste des 20. Jahrhunderts. Nach Berlin und Hannover ist die Schau nun  im Pariser Palais des Beaux-Arts zu sehen.

Die Filminstallation Manifesto basiert auf historischen Originaltexten von anderen Künstlern die sich allesamt mit Manifesten auseinander gesetzt haben. Die meisten geben aufgrund ihrer Theatralität schon das Libretto her.  Rosenfeldt hat die Texte so bearbeitet oder gekürzt und 13 innere Monologe hergestellt, die er jeweils von einer Frau in unterschiedlichen Rollen vortragen lässt. Cate Blanchett ist eine sehr gute Wahl. Sie schafft es, sich dreizehn Mal durch Maske und Verkleidung und mit viel Talent immer wieder in unterschiedliche Charaktere hinein zu verwandeln. Sie lebt bewusst jede Szene und das vermittelt sie auch! Eine ihrer größten Rollen überhaupt wahrscheinlich.

Rosenfeldt (*1965), der in Berlin lebt, hat hier auch alle Kurzfilme gedreht. Mit Cate Blanchett ist er befreundet und auch Dank ihrer Professionalität konnte der enge Zeitrahmen für die Dreharbeiten eingehalten werden. Mit ihr hat er auch alle Orte vorher erkundet.

Ca 10 Minuten dauert jeder Film bei dem die Darstellerin von der Rolle der Obdachlosen, zur Hausfrau und Mutter der mittleren Oberschicht inklusive Tischgebet mutiert, die Rede vor einer Trauergemeinde hält oder als Puppenspielerin, Fabrikarbeiterin bzw. als Journalistin überzeugt.  Die Manifeste von Tristan Tzara (Dada, 1918), Filippo Tommaso Marinetti (Futurismus, 1909), (Surrealismus, André Breton, 1924), Fluxus, Merz (No Manifesto, 1965) oder Golden Rules of Filmmaking, (2002, Jim Jarmusch).

Genial wie sie als Hausfrau und Mutter das Tischgebet nach Claes Oldenburgs I am for an Art (Pop Art, 1961) einleitet. Man möchte wegrennen und leidet mit den anderen am Tisch, wenn sie nach 10 Minuten immer nochmals mit „I am for the Art“ anfängt und es immer noch nicht das letzte Mal war. Großartig.!

Manifesto entstand als gemeinsame Produktion der Berliner Nationalgalerie mit verschiedenen Museen weltweit und der Ruhrtriennale und wurde 2016 im Berliner Hamburger Bahnhof und später im Sprengel Museum Hannover gezeigt, bevor die Schau nun in Paris angekommen ist.

Noch bis zum 20. April 2017 im Pariser Palais des Beaux-Arts zu sehen.

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Christa Blenk

 

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Cy Twombly – Retrospektive im Centre Pompidou

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 Saalansicht, im  Vordergrund die Reise von Sonnengott
Ra auf seinem Sonnenschiff

 

Die Schönheit der Schiefertafel

Seinen  40. Geburtstag feiert das Pariser Centre Pompidou u.a. mit einer umfangreichen und einzigartigen Retrospektive über den amerikanischen Künstler Cy Twombly ( 1928-2011); die Schau deckt 60 Jahre seines Künstlerlebens ab.

Es ist nicht das erst Mal, dass Twombly in Paris zu sehen ist: auch schon zum 20. Jubiläum 1988 konnten die Pariser sich an einer Twombly-Retrospektive erfreuen.

140 Exponate hat der Kurator der Ausstellung Jonas Storsve nach Paris geholt, konfrontiert Werke miteinander, die sich noch nie getroffen haben und präsentiert Bilder, Skulpturen, Zeichnungen oder Fotos, die zum ersten Mal in Europa zu sehen sind. Er will mit dieser Ausstellung vor allem Twomblys Obsession nachgehen: Serien und Zyklen. Und so basiert diese umwerfende Schau auf drei Reihen, die wiederum anderen Serien sowie Früh- und Alterswerken gegenüber stehen.

Nine Discourses on Commodus entsteht 1963 als Reaktion auf die Ermordung von Präsident John F. Kennedy, die den Künstler bestürzt und prägt. Mit diesen großflächigen, an zäh fließendes, klebriges Blut erinnernden Bilder zieht er eine Parallele zwischen dem Attentat auf den US Präsidenten und der grausam-blutrünstigen Herrschaft des römischen,  größenwahnsinnigen Tyrannen Commodus (161 – 192), der am letzten Tag des Jahres 192  einem Komplott zu Opfer fiel und von seiner Konkubine Marcia und dem Athleten Narcissus erwürgt wurde. Diese Tat leitete das Ende der Antoninischen Dynastie  ein und machte Platz für eine Reihe von Kaisern, die zum Teil nur ein paar Wochen am Leben waren, bevor sie Mordanschlägen zum Opfer fielen. Jacky Kennedy trägt in Dallas ein rosa Kostüm, einen rosa Hut und hält einen Strauß roter Rosen im Arm; Twombly wütet einer griechischen Tragödie gleich in Rosa- und Rottönen über die diskreten Bleistiftstriche, die unter der Farbkatharsis auszumachen sind. 1964 werden diese Arbeiten bei Leo Castelli in New York mit viel Polemik und heftiger Ablehnung der Kritik ausgestellt. Zum einen, weil die 60er Jahre der Minimal Art gehören, eine Tendenz, die eine emotionslose,  rationale Reduktion auf die Primärfarben und auf simple Geometrieformen verlangt und zum anderen, weil Twombly damit das Ende einer Ära andeutet. Er hat die Bilder damals nicht verkauft, sie wurden später von einem Italiener erworben und seit 2007 gehört dieser Zyklus dem Guggenheim Museum Bilbao.  

 

Twombly - Saalansicht; Bilder aus dem Zyklus  Nine Discourses on Commodus - Foto (c) JNPettit
Saalansicht – Nine Discourses on Commodus

 

Philadelphia hat den 10-teiligen Zyklus 50 Days at Iliam ausnahmsweise ausgeliehen.  Die hier gezeigte Serie entsteht in den Sommern 1977/78 und beschreibt zehn Kapitel der Iliada. Kleeblatt-förmige Schatten-Farbflecken definieren die Protagonisten von Troja: Grau für Hektor, Blau-Grau für Patrokles und Rot für Achilles, stellvertretend für das geflossene Blut (Shades of Achilles, Patroclus and Hector, partie VI, 300 x 492 cm). 1978 waren die Bilder in New York zu sehen und wurden  dann wieder in den Kisten verstaut bis das Philadephia Museum of Art sie 1989 erwarb.

Twomblys Lektüre von Homer wird ihn sein Leben lang und in allen Malphasen beschäftigen und schon 14 Jahre vor 50 Days at Iliam befasst er sich mit den Helden von Troja.  Zwei in den 60er Jahren entstandene Meisterwerke sind ebenfalls ausgestellt. Achilles Mourning the death of Patroclus misst 259 x 302 cm, die untere Hälfte ist unbemalt, leer. Über der Trennlinie (aus Bleistift) fliegen zwei unterschiedlich große, mit einer Schnur verbundene Wollknäuel aus dem Bild gen Himmel. Patrokles stirbt und lässt den Faden los! Mit verhaltener Leidenschaft stellt Twombly Achilles‘ Weinen um seinen Freund und Waffenbruder Patrokles seiner Rache gegenüber. The vengeance of Achilles (1962, Öl und  Bleistift auf Leinen) ist ein drei Meter hohes A (Achilles!), ein sich zuspitzender Dolch mit blutroter Spitze, vereinzelt sind weiter unten auf der Kapuze noch Blutspritzer zu entdecken. Auf den ersten Blick erinnert es an eine Arte povera Installation von Mario Merz oder an geheimnisvolle, grausame Rituale. Das Kunsthaus Zürich hat es ausgeliehen.

Die dritte Säule der Schau ist der Zyklus Coronation of Sesotris  (2000). Er fantasiert über die Reise des ägyptischen Sonnengottes  Ra auf seinem Sonnenschiff über das Firmament. Diese Arbeiten sind lichtdurchflutet, transparent, befreit und leicht. Und natürlich haben auch sie wieder einen poetischen Hintergrund: die Dichterin der Antike, Sappho, und die zeitgenössische Poetin Patricia Waters waren hier seine Inspirationsquellen.  Die Bilder gehören der Pinault Collection.

 

Twombly - Coronation of Sesostris -Saalansicht Foto (c) JNPettit
Saalansicht – Coronation of Sesotris

 

Begleitet und ergänzt werden diese Serien von unzähligen unabhängigen Arbeiten wie die vierteilige Gruppe Quattro Stagioni (vier Jahreszeiten) aus der Tate London. Twombly hat sie zwischen 1993-1995 nach seiner Lektüre von John Keats Ode für eine griechische Urne gemalt. Hier wird die Vergänglichkeit und die Wiedergeburt beschrieben: jede Jahreszeit hat die für sie typische Charakteristik: zaghaft und hoffnungsvoll der Frühling, leuchtendes, fröhliches Gelb für den Sommer. Weiß und Tannenbaum-Grün der Winter, aber am kräftigsten ist der Herbst. Das einzige Bild der Vier in dem er geschrieben hat: l‘Autunno (Herbst) steht mit großen Buchstaben im oberen Teil des Bildes: melancholisch und lebensbejahend ist dieser großartige Zyklus. Cy Twombly hat hier schon den Weg zu seiner knallig, farbenfrohen Altersmalerei betreten. Rätselhafte oder leicht verwehte Spuren, minimale Punkte- und Strichemalereien, piktogrammhafte Figuren werden zu Farbe pur, so dass man plötzlich mitten in der Sonne zu stehen scheint.

Die ruhigen und kleinformatigen, für ihn atypischen, Stillleben Black Mountain College (ca 43 x 28 cm) die 1951 noch in den USA entstehen und an die Poesie von Giorgio Morandis  Flaschen erinnern oder seine Minimalphase in den 60er Jahren, in der er große Schiefertafeln minimal bearbeitet, karg, spartanisch grau/schwarz, in sich gekehrt im permanenten Lernprozess, sind Ruhepole.

Twombly hat uns die Schönheit einer schlampig abgewischten Schiefertafel erklärt.

Seine Bilder sind leise und leidenschaftliche Geschichten und Gedichte, eine Gratwanderung zwischen unscheinbar, göttlich, schüchtern und selbstbewusst, obsessive Kundgebungen aus Hieroglyphen und  Piktogrammen, kindlichen  Kritzeleien, großartige Kompositionen entstanden durch große Bildung: ‚Als ich ein Kind war, habe ich wie Rafael gezeichnet, aber ich habe ein Leben lang gebraucht, um wie ein Kind zu zeichnen‘, das hat Picasso einmal gesagt.

Kurz vor seinem Tod entstehen die (blutenden) Rosenbilder nach Gedichten von Ingeborg Bachmann und Rainer Maria Rilke – eine Hommage an Monets Seerosen (Blooming, 2001-2008). Blooming ist auch das Ausstellungsplakat und kommt aus einer Privatsammlung!

 

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Blooming, 2001-2008

 

Twomblys Skulpturen wären gerne unsichtbar. Allesamt sind sie in schmutziges Weiß gehüllt, fast denkt man an Beuys? Die Gegenstände erinnern an Totems oder primitive Gebrauchsgegenstände aus Holz oder Stoff, die er von seinen Reisen mitbrachte und grob mit Nägeln oder Fäden verbindet. Wie sie dort im Pompidou Museum präsentiert werden wirken sie ganz modern, stehen da im Einklang mit der Struktur des Raumes vor einem sagenhaften Blick auf Paris: schon deshalb lohnt sich der Besuch dort!

Geboren in Virginia, kommt er mit Mitte 20 und einem Stipendium  nach Europa. Alles was Cy Twombly erlebt, findet direkten Einzug in seine Bilder, sei es die 17000 Jahre alte Höhlenmalerei von Lascaux, die er in den 50er Jahren studiert, sei es ein Marabu auf dem Bild Volubilis; diese römische Ruine in der Nähe von Fez in Marokko besucht Twombly mit seinem Freund und Studienkollegen Robert Rauschenberg während einer Nordafrikareise in den 1950er Jahren. Hier knallen nicht nur auf seinem Bild zwei Kulturen aufeinander; außer schwarzen und grauweißen Beigetönen gibt es keine anderen Farben. Eine Fata Morgana, die man in der flirrenden Hitze nur mit zusammen gekniffenen Augen wahrnehmen kann.

 

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Saalansicht – Volubilis und Ouarzazate

 

Im umtriebigen Künstlerpool der 50er Jahre von Franz Klines action paintings, von Rothkos Farbflächen oder Jackson Pollocks Schlaufenmalerei, von Barnett Newman, Willem de Kooning und Robert Motherwell lernt er schwimmen. Ohne Rettungsring oder Schwimmweste taucht er ein in die Faszination des alten Kontinents, der Philosophie der Antike und fusioniert mit den amerikanischen Tendenzen der 1950er Jahre; die vermeintlich gedankenlosen Kritzeleien, sein Graffiti, stehen manchmal im Widerspruch zum potenten abstrakten Expressionisten.

Ohne intellektuelle Auseinandersetzung wird man ihn nicht verstehen. Verlassen turnen zerlegte Mythen und die Helden der Antike über die Leinwand, immer wieder krakelt er Notizen darauf und sprenkelt Farbe darüber, rote Blumen werden zu Blutstropfen. Wer führt denn hier den Pinsel? Seine Hand oder seine Erinnerung an so Vieles was er irgendwann einmal aufgenommen hat oder täglich vervollkommnet? Träume, Geschichte, Wissen, Farbe und Licht vermengen sich.

Es gibt ein Foto von ihm das 1961 in Rom entstand. Twombly hält einen kleinen Pinsel in der Hand und steht vor einer großen Leinwand, irgendwie zaghaft, so als ob er es nicht wagen kann, sein Bilderbuch mit noch einer kryptischen Figur oder einer kalligrafischen Linie zu ergänzen. Seine Haltung vermittelt eher den Eindruck, dass es hier nur etwas auszubessern gibt, fast schüchtern und voller Respekt nähert er sich seinem Werk.

Tagelang steht er manchmal vor der weißen Leinwand, bevor eine scheue Annäherung die Panik der Leere überwinden sollte.

Viele Jahre hat Cy Twombly im italienischen Gaeta gelebt. Der Ort liegt zwischen Rom und Neapel und wird schon von Vergil in der Aeneas zitiert. Gaeta war Kurort der Römer, sogar  Cicero besaß eine Villa dort. Jeder Stein an dieser Küste hat Geschichten aus der Antike zu erzählen: archaische, barbarische oder ewig junge Tragödien.

Bis zum 24. April 2017 ist diese einmalige und exklusive Ausstellung  mit Exponaten aus bedeutenden Museen oder Privatsammlungen eines bedeutenden Vertreters des abstrakten Expressionismus und intellektuellen Individualisten noch im Centre Pompidou in Paris zu sehen. Sie wurde  in Zusammenarbeit mit der Cy Twombly Foundation und mit Unterstutzung seines Sohnes Alessandro organisiert und wird nicht weiterwandern!

 

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 Saalansicht – Camino Real

Camino Real (2010)

Christa Blenk, Fotos: JNPettit

 

 

 

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Der nasse Fisch – Kommissar Gereon Raths erster Fall

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Der nasse Fisch – Kommissar Gereon Raths erster Fall

Berlin 1929: Zwischen Straßenschlachten von Kommunisten und Schupos, SA,  Rotfront, Maffia, korrupten Polizisten und illegalem Waffenschmuggel, Kokain, Nachtclubs und Intrigen im vergnügungssüchtigen Berlin der roaring twenties gerät der ehemalige Mordermittler Gereon Rath durch Zufall in einen Sog von Ereignissen, die ihn selber an den Rand der Legalität bringen und die Polizei in ein zweifelhaftes Licht setzen.  

Volker Kutscher beschreibt in seinem ersten Fall das Ankommen des jungen Kommissars aus der Provinz in die brodelnde Hauptstadt Berlin, wohin er strafversetzt wird und das auch noch zum Sittendezernat. Gereon Rath ist eigentlich Mordermittler und fühlt sich bei der Sitte unterfordert. Ein geschickt inszenierter Zufall des Verfassers, bei dem sein Zimmervorgänger bei der Witwe Behnke eine Rolle spielt, bringt ihn auf die Spur eines Toten, der im Landwehrkanal gefunden wird und in Verbindung und die die Fänge unterschiedlicher Gesellschaftsschichten. Rath will sich profilieren und ermittelt im Alleingang, begeht selber eine Straftat, die er vertuscht, aber nach vielen Irrungen und Verwirrungen letztendlich doch eingesteht und das Gute siegen lässt.

Ein schillerndes, fortschrittliches Berlin in der Weimarer Republik ist die Kulisse dieses Romans, die die Gegensätze zwischen Wedding, Neukölln und Charlottenburg aufgreift und den wilden Osten beschreibt. Den Berliner Dialekt setzt Kutscher geziehlt und geschickt ein. Der aufkommende Nationalsozialismus der Völkischen steht ante portas.

Die Protagonisten sind erfrischend realistisch, essen Kuchen, sind sehr klug aber bestechlich und die Grenze zwischen good cop und bad cop verwischt sich recht oft. Gereon Rath ist aber trotzdem schwer einzuordnen, ist er zynisch und kalt oder nur sehr ehrgeizig, weil er sich von seinem prominenten Vater lösen will? Auf jeden Fall ist er mutig und hat kein Problem, sich allein gegen die Welt zu stellen. Er ist nicht wirklich sympathisch, aber auch kein Ekel. Kutscher schreibt pragmatisch und sachlich und manchmal ziemlich grausam und sadistisch. Die Maiunruhen, die der Kommissar in seinen ersten Tagen in Berlin miterlebt, sollen später als Blutmai in die Geschichte eingehen.

Gut recherchiert und spannend beschreibt der Autor auf schnelle Art die Geschehnisse vor dem Hintergrund politischer Ereignisse in den 1920er Jahren.

Volker Kutscher (1962) lebt in Köln und hat mittlerweile Gereon Rath sechsmal ermitteln lassen. Tom Tykwer arbeitet übrigens zurzeit an der Serie Babylon Berlin, die auf einer Romanreihe von ihm basiert.

Christa Blenk

 

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